Nachhaltigkeit

Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften

Collage aus erneuerbaren Energien / Foto: stock.adobe.com / FotoIdee

Bis 2040 soll die Verwaltung Baden-Württembergs weitgehend klimaneutral organisiert sein. Um das Ziel zu erreichen, hat die Landesregierung das Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften für die Jahre 2020 bis 2050 fortgeschrieben.

Mit mehr als 80 Prozent haben Gebäude etwa für Hochschulen, Polizei, Justiz und Steuerverwaltung den Hauptanteil an der Treibhausgas-Bilanz der Landesverwaltung. Die in Landesgebäuden verursachten CO2-Emissionen sollen bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 80 Prozent reduziert werden (gegenüber dem Basisjahr 1990). Bis 2050 ist eine Absenkung um mindestens 90 Prozent vorgesehen. Die CO2-Emissionen landeseigener Liegenschaften sollen vor allem über zwei Wege weiter gesenkt werden: durch eine Reduzierung des Energieverbrauchs sowie durch den schrittweisen Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien.

Passivhausqualität bei Neubauten

Das Konzept Energie- und Klimaschutz enthält nicht nur Ziele, sondern auch konkrete Maßnahmen. So gilt für Neubauten des Landes, dass die Gebäudehülle in energetischer Hinsicht der Qualität eines Passivhauses entsprechen muss. Auch bei umfassenden baulichen und technischen Modernisierungen bestehender Gebäude werden die Vorgaben zum Energiestandard über die gesetzlichen Vorschriften hinaus verschärft. Um CO2-Emissionen während des Gebäudebetriebs systematisch erfassen und steuern zu können, werden diese bereits in der Planung berechnet. Künftig schaffen Niedertemperatur-Heizsysteme die notwendige Voraussetzung, um erneuerbare Energien noch stärker für die Wärmeerzeugung nutzen zu können. In Neubauten kommt Heizöl als fossiler Energieträger für die Wärmeerzeugung grundsätzlich nicht mehr zum Einsatz. In bestehenden Liegenschaften werden Heizölanlagen bis 2030 schrittweise durch Anlagen mit erneuerbaren Energieträgern und hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung ersetzt. Bis 2025 sollen zehn weitere Blockheizkraftwerke in Betrieb gehen. Die Photovoltaik (PV)-Flächen auf landeseigenen Liegenschaften werden weiter ausgebaut (Auf unseren Dächern ernten wir Sonne).

Energetische Maßnahmen: Justizvollzugsanstalt Adelsheim

Neubau einer Heizzentrale mit zwei Hackschnitzelkesseln, zwei Blockheizkraftwerken und einem Erdgaskessel bei der JVA Adelsheim

  • Investition: rund 1,7 Millionen Euro
  • Einsparung Wärme: 5.094.000 Kilowattstunden pro Jahr
  • CO2-Minderung: 1.082 Tonnen pro Jahr

Rund 155 Millionen Euro stehen für zwei Jahre bereit

Die landeseigenen Gebäude werden in der Regel dann energetisch optimiert, wenn ohnehin Instandhaltungs-, Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen erfolgen. Hinzu kommen energetische Sonderprogramme zum Beispiel für den Ausbau von PV-Flächen. Für das Jahr 2020 sind im Landeshaushalt rund 75 Millionen Euro für energetische Maßnahmen bereitgestellt, für 2021 sind es rund 80 Millionen Euro.

Bei der Weiterentwicklung des Energie- und Klimaschutzkonzepts hatten das Ministerium für Finanzen und die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung wissenschaftliche Unterstützung durch das Fraunhofer Institut für Bauphysik. Gemeinsam wurde zunächst der Energieverbrauch aller knapp 8.000 landeseigenen Gebäude analysiert. Berücksichtigt wurden auch Vorgaben, die sich beispielsweise durch den Denkmalschutz ergeben.

Erfolgreiche Erstauflage

Das Energie- und Klimaschutzkonzept 2020 bis 2050 setzt am Konzept aus dem Jahr 2012 an. Dieses hatte bis 2020 eine Absenkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 vorgegeben. Mit rund 300.000 Tonnen CO2-Emissionen war bereits 2018 und damit vorzeitig eine Reduzierung um rund 50 Prozent erreicht - und das trotz einer Zunahme der Gebäudeflächen. In den Jahren 2012 bis 2018 wurden rund 1.000 energetische Maßnahmen in einem Gesamtumfang von etwa 360 Millionen Euro realisiert. Damit werden pro Jahr etwa 185.000 Megawattstunden thermische Energie und 77.500 Megawattstunden elektrische Energie eingespart. Gleichzeitig erfolgte der Ausbau von PV-Flächen auf landeseigenen Liegenschaften. Im Jahr 2019 wurde die Zielmarke von 104.000 Quadratmetern erreicht - und damit ein Jahr früher als im bisherigen Energie- und Klimaschutzkonzept verlangt. Seit 2017 sind PV-Anlagen fester Bestandteil von Neubauten des Landes.