Die Burg Krautheim steht heute teilweise im Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Nach wechselnden geistlichen und weltlichen Besitzverhältnissen gelangte die Anlage im 19. Jahrhundert in staatliches Eigentum und wird seitdem als Kulturdenkmal erhalten. Das Land sichert die historisch bedeutenden Bauteile, macht zentrale Bereiche öffentlich zugänglich und bewahrt ein herausragendes Beispiel spätstaufischer Architektur. Burgmuseum, Kapelle und Wehrturm sind Ausdruck dieser staatlichen Verantwortung für Erhalt und Nutzung historischen Landesvermögens.
Die Burg wurde ab dem späten 12. Jhd. auf einem Felsvorsprung oberhalb von Krautheim errichtet und im frühen 13. Jahrhundert weiter ausgebaut. Ursprünglich um 1172 wohl von einem Kleriker namens Gidefridus errichtet, gelangte die Anlage später in den Besitz der Brüder Wolfrat, Crato und Konrad von Krautheim, ehe diese im Erbgang 1452 an den Grafen Otto I. von Eberstein überging. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte die Burg zum Besitz des Erzstift Mainz.
Aus der frühsten Bauphase ist heute noch der Bergfried (Wehrturm) erhalten, ebenso wie der Palas (großer Saal) und Teile der Mantel- bzw. Ringmauer und des Grabens aus dem späten 12. Jahrhundert. Der Zugang zur Burg erfolgte über eine Zugbrücke oder über einen steilen Weg an der Westseite vom Tal zur Burg. Um 1230 wurde die Kapelle am Pallas der Burg im früh-gotischen Stil umgebaut und erweitert, wobei der gewölbte polygonale Chor in den Pallas hineingezogen wurde und die Kapelle um eine westliche Torhalle und Empore erweitert wurde.
Von 1240 bis 1242 wurden angeblich die kaiserlichen Herrschaftsinsignien der Staufer in der Burg verwahrt. Literarische Berühmtheit erlangte die Burg durch den Aufenthalt des Ritters Götz von Berlichingen 1516, was Johann Wolfgang von Goethe 1773 in seinem Schauspiel „Götz von Berlichingen“ thematisierte.
1525 wurde die Anlage während des Bauernkrieges massiv beschädigt und erst ab 1612 unter dem Mainzer Erzbischof Johann Schweikhard von Cronberg aufgebaut und zeitgemäß erweitert. Ab dem späten 17. Jahrhundert wurde die einstige Burg unter dem Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn ausgebaut und an der Südostseite der einstigen Burg durch Anbau eines Schlossflügels erweitert, während Teile der Außenanlage abgebrochen wurden.
Im Zuge der Säkularisierung gelangte die Burg zunächst in den Besitz der Fürsten zu Salm-Reifferscheidt und ab 1839 in das Eigentum des Großherzogtums Baden. Infolgedessen ließ Großherzog Leopold von Baden diverse Reparaturarbeiten an der Anlage durchführen und um ein modernes Herrenhaus erweitern. 1887 erfolgten weitere Restaurierungen und Umgestaltungen im neo-gotischen Stil.
Heute befindet sich das Herrenhaus im Privatbesitz und ist öffentlich nicht zugänglich. Die übrige Anlage befindet sich im Landesbesitz. Zu besichtigen sind heute ein Burgmuseum im einstigen Pallas, die Kapelle und eine Aussichtsplattform auf dem einstigen Wehrturm.
Die Anlage zählt heute zu den bedeutendsten Beispiele der spät-staufischen Architektur und die Kapelle zu den bedeutenden frühgotischen Sakralarchitekturen in Südwestdeutschland.
Burg Krautheim
Burgweg 8
74238 Krautheim
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