Das Haupt- und Landgestüt Marbach gehört dem Land Baden-Württemberg und ist seit 1919 staatliches Eigentum. Aus einer herzoglichen Zuchtstätte hervorgegangen, übernahm es über Jahrhunderte zentrale Aufgaben für Staat und Land – von der Versorgung von Hof, Militär und Landwirtschaft bis zur staatlich organisierten Pferdezucht. Bis heute betreibt, finanziert und erhält das Land das Gestüt als ältestes deutsches Staatsgestüt und als bedeutendes Kulturdenkmal mit internationaler Ausstrahlung.
Ein Gestüt in Gomadingen-Marbach wird bereits 1514 unter Herzog Ulrich von Württemberg erstmalig erwähnt. 1554 ist die Pferdezucht in Marbach unter Herzog Christoph I. von Württemberg dann erstmals urkundlich bestätigt, und wurde unter dessen Sohn Herzog Ludwig I. weiter ausgebaut. Neben Reitpferde wurde auch Maultiere als Zugtiere für den herzoglichen Gebrauch gezüchtet. Ab 1573 erhielt ist die Funktion eines Hof- und Landesgestüts, d.h. es versorgte sowohl den herzoglichen Hof als auch das Militär und die Landwirtschaft mit geeigneten Pferden.
Nach einem Rückschlag während des Dreissigjährigen Krieges von 1618-1648 infolgedessen nahezu der komplette Pferdebestand in Württemberg verloren ging, konnte das Gestüt wieder aufgebaut und ab 1685 die Zucht wieder aufgenommen werden, wobei u.a. die Rasse des „Württemberger Warmbluts“ begründet werden wurde, die bis 2013 bestand.
1817 wurde Marbach unter König Wilhelm I. zum „Landgestüt des Königreichs Württemberg“ erhoben, wozu auch die Höfe in Offenhausen, St. Johann und Güterstein gehörten, und für die Zucht von Pferden für den landwirtschaftlichen und militärischen Gebrauch vorgesehen. Parallel dazu errichtete König Wilhelm I. in Weil bei Esslingen sein Privatgestüt und etablierte dort in den folgenden Jahren die erste Vollblutaraberzucht außerhalb des Orients. Diese auch wirtschaftlich sehr bedeutende Zucht von Araberpferden ging 1923 auf das Haupt- und Landgestüt Marbach über, und wird bis heute dort neben weiteren Zuchtlinien weitergeführt.
Das Haupt- und Landgestüt Marbach fiel nach Ende der Monarchie 1919 dem Staat Württemberg zu, befindet sich bis heute im Landesbesitz und zählt zu den Kulturdenkmälern im Land. Das Gestüt ist heute das älteste deutsche Staatsgestüt mit internationaler Bedeutung.
Den Kern der Anlage bilden bis heute eine Vielzahl von historischen Gebäuden, die teilweise bis in die Entstehungszeiten des Gestüts zurückreichen. Hierzu gehört das heutige dreigeschossige Hauptgebäude mit Satteldach auf L-förmigen Grundriss, dessen Kern noch auf die erste Bauphase von 1520 zurückgeht, mit Anbauten der zweiten Bauphase aus der Zeit von 1620-1623. Weitere An- und Umbauten erfolgten in der ersten Hälfte des 18. Jhd. und 1772. Dach wurden nurmehr Umbauten im 19. und 20. Jhd. im Innenbereich vorgenommen. Insbesondere nach 1817 wurde der ehemals vorbarocke Repräsentationsbau mit tonnengewölbtem, beheizbarem Saal mit Arkaden und den darüberliegenden herrschaftlichen Repräsentationsräumen zu einem Verwaltungsgebäude im Inneren umgebaut. Ferner gehören der Stutenbrunnen im Innenhof aus den 1820er Jahren, die Scheune von 1765 und die Reithalle von 1854/60 zu den wichtigsten historischen Gebäuden der Anlage.
Haupt- und Landgestüt Marbach
Gestütshof 1
72532 Gomadingen
Tel. 07385/9695-000
poststelle@hul.bwl.de
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