Laudatio

„Torch ist eine lebende Hip-Hop-Legende“

Minister Dr. Bayaz hat in Heidelberg die Laudatio auf den Rapper Frederick Hahn, alias Torch, gehalten.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Bürgerinnen und Bürger,

liebe DJs, MCs, liebe Graffitti Artists, B Boys und B Girls,

liebe Freunde des Hip Hops,

vor allem aber lieber Torch,

 

Immer wenn ich hier am Philosophenweg joggen gehe, halte ich an einer bestimmten Stelle an und lese dort auf einer Steintafel:

 "Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zu Lust,

Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,

Du, der Vaterlandsstädte

Ländlichschönste, so viel ich sah."

 

Hölderlin. Ode an Heidelberg. Eine der schönsten Liebeserklärungen an diese, an unsere Stadt. Ein Gedicht aus der Romantik. Eine Epoche, die durch tiefe Empfindsamkeit geprägt war.

"Ich hab so viel geschrieben aber niemand hört her

Würde der Welt gerne sagen was ich wert wär'

die Mine brach aber ich schrieb weiter die nie gesagten

Worte rächen sich

Aber die Bleitstifte in meinem Gedächtnis

die brechen nicht.

Ich hab geschrieben bis meine Finger wund warn

Weil kein einziger Ton mehr aus meinem Mund kam denn als du gingst

Ging auch meine Kraft zu redenfort wie ein Knebel

in meinem Mund an diesem Tag wurde mein Leben zu Nebel."

 

Worte, die ebenfalls eine tiefe Empfindsamkeit ausdrücken.

Geschrieben von Frederick Hahn, alias Torch. Heidelberg, das ist eine Wiege der Romantik. Heidelberg ist aber auch die Wiege des deutschsprachigen Hip-Hops.

Torch ist einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Chronist der europäischen Hip-Hop-Geschichte. Eine Schlüsselfigur für die Hip-Hop-Bewegung in Deutschland.

Eng verbunden mit Heidelberg.

Torch und Hip Hop stehen buchstäblich monumental für Heidelberg wie das Schloss, die alte Brücke oder der Neckar. Heidelberg war und ist eine Stadt des lebendigen Geistes. Eine Stadt, in der Menschen bedeutende Worte gefunden und geformt haben. Eine Stadt der Philosophie.

Torch steht in dieser Tradition, auch in einer Reihe mit Hans-Georg Gadamer oder Hilde Domin. Ein Grenzgänger zwischen Kunst, Lyrik, Politik, Geschichte und Philosophie. Die Nähe zu den Amerikanern hat die Hip-Hop-Bewegung in unserer Stadt mit-inspiriert und Torch wurde zu ihrem Protagonisten. In Heidelberg entfaltete sich eine vielfältige und schillernde Kultur, mit Graffiti, Breakdance, DJing und Hip-Hop-Jams, Rap.  Künstler wie Torch, Toni L, Boulevard Bou, Cora E oder die Stieber Twins, um nur ein paar von ihnen zu nennen. Doch die Bedeutung von Torch reicht viel tiefer. Er hat den deutschsprachingen Rap etabliert, er hat aber auch viel mehr den relevanten Rap etabliert.

 

"Ist es so ungewöhnlich, wenn ein Afro-Deutscher seine Sprache spricht

Und nicht so blass ist im Gesicht?

Das Problem sind die Ideen im System

Ein echter Deutscher muss auch richtig deutsch aussehen

Blaue Augen, blondes Haar, keine Gefahr

Gab's da nicht ne' Zeit wo's schon so mal war?

"Gehst du später mal zurück in deine Heimat?"

"Wohin, nach Heidelberg, wo ich ein ein Heim hab?"

Fremd im eigenen Land. Advanced Chemistry. Geschrieben 1992, in einer Zeit, in der Fremdenhass in Deutschland unverhohlen sichtbar wurde. Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Solingen. Die hässlichste Fratze von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Fremd im eigenen Land wurde zu einem Manifest der Menschlichkeit und der Relevanz.Und Torch zu einem Rapper, der etwas zu sagen hat. Und das unterscheidet ihn von vielen. Der offen über seine Erfahrungen mit Rassismus rappt, der seine Verletzlichkeit zeigt, der seine Erfahrungen aber vor allem politisch einordnet.Es geht weit über die eigene Betroffenheit hinaus. Torch wurde zu einem Hip-Hop-Botschafter, aber mehr noch, zu einem Botschafter von Menschlichkeit.

Nach diesem relevanten Hip-Hop, genannt Conscious-Rap" folgte eine Phase des fröhlichen Hip-Hops, Protagonisten die Fanta 4 oder auch die Beginner aus Hamburg.  Relevanter Hip-Hop kam auch aus Stuttgart, als der Freundeskreis sein Ohr auf die Schiene der Geschichte legte und Esperanto sprach. Dann schwappte wieder eine Welle aus den USA nach Deutschland, Gangster-Rap, eine völlig neue Kategorie. Extrem erfolgreich, in einigen Fällen aber leider auch  hochproblematisch gerade in Bezug auf Sexismus, Homophobie, zum Teil auch Anti-Semitismus. Allerdings auch relevant als Stimme bestimmter Gruppen, die sich so eine Plattform geschaffen haben. Zum Teil auch Menschen, die Ablehnung aufgrund ihrer Herkunft kennen.

Aber Rap, der gesellschaftspolitisch und gesellschaftskritisch ist, nachdenklich, empfindsam, aufwühlend, der war gleichwohl lange Jahre in der Szene nicht so präsent. Das hat sich wieder geändert.

"Heute tolerant und morgen fremd im eigenen Land".

Das sind Worte des AfD Politikers Alexander Gauland aus dem Jahr 2016. Fast ein viertel Jahrhundert nach "Fremd im eigenen Land" von Advanced chemistry. Der Deutsche, angeblich fremd im eigenen Land. Eine Pervertierung der Anti-Rassismus Botschaft von Torch. Mit dem Erstarken der AfD war das Thema Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sichtbar zurück, weg war es ja ohnehin nie. Und die gesellschaftliche Polarisierung hat bewirkt, dass auch Rap in den vergangenen Jahren zunehmend relevanter in seinen Texten wurde. Ich denke da z.B. an den Berliner Rapper Megaloh als Beispiel, der Torch sein Vorbild nennt. Gesellschaftspolitische Haltung ist wieder wichtiger geworden. Auch im Rap. Nach fast 30 Jahren schließt sich damit wieder ein Kreis, 360 Grad, zu den Anfängen, zu Torch, zu Heidelberg.

 

Eine bittere Erkenntnis allerdings ist auch: Was Torch, Toni-L und andere beschrieben haben, das erleben viele Menschen täglich. Immer noch fühlen sich Menschen fremd im eigenen Land, weil sie nicht Karl, sondern Mehmet heißen oder weil sie dunkle Hautfarbe haben. Der NSU, die Morde in Hanau und Halle. Rassismus tötet, Antisemitismus tötet. Worte werden zu Taten. Und dann noch eine Partei im Bundestag, im Landtag, in den Stadträten, die Fremdenfeindlichkeit unverhohlen zur Normalität erklären will. Wir brauchen heute dringender denn je, Menschen wie Torch, die mutig gegen solche Strömungen ankämpfen. Seine Texte sind aktueller denn je.Wir brauchen Künstler wie ihn, die uns aufrütteln, die unbequem sind, die mahnen, die eine Stimme für eine menschliche und offene Gesellschaft sind. Torch ist ein Vorbild. Und man kann es nicht anders sagen: Eine lebende Hip-Hop-Legende. Was sich schon daran zeigt, dass in Heidelberg ein Hip-Hop-Archiv entsteht, zu dem Torch wesentlich beiträgt. Und vielleicht wird auch das Heidelberger Hip-Hop-Archiv zu weit mehr, als einem Archiv, sondern einer kulturellen Begegnungsstätte. Das ist in Hamburg gelungen und ich bin mir sicher, das kann auch bei uns in Heidelberg gelingen.

Meine Damen und Herren,

Torch hat auch über Geld gerappt. Und als Finanzminister des Landes habe ich die Lyrics noch mal mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen.

Ein Beispiel:

"Die Kinder Zinsen auf internationalen Banken

Die, seit sie denken konnten, nur kühle kalte Konten kannten.

Meine Opfer sind Menschen so wie du

Ich geb' euch die Illusion von Macht und ihr gebt Ruh."

Torch über Geld. Tja, was soll ich da als Finanzminister sagen, bei dem es täglich um Geld geht? Angesichts der jüngsten Haushaltsberatungen kann ich da nur mit einem anderen Romantiker, nämlich Goethe sagen:

"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!"

Lieber Torch,

Danke für Deine Inspiration, Danke für Deine Texte, Deine Songs, Deine Kraft, Deine Schwächen, Deine Energie. Danke dafür, dass du Heidelberg auf die Karte gesetzt hast. Du bist ein Sohn dieser Stadt, auf den wir alle stolz sein können und deshalb freut es mich auch ganz besonders, dass Du die Richard-Benz-Medaille der Stadt verliehen bekommst.

Herzlichen Dank.

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