Vermögen und Hochbau

Nachhaltig Bauen

Das Schulungszentrum des Höchstleistungsrechenzentrums an der Uni Stuttgart / Bild: ralph klohs photographie

Nachhaltigkeit ist eines der maßgeblichen politischen und gesellschaftlichen Leitbilder der Landesregierung. Eine gesunde Umwelt und gute Lebensbedingungen wollen wir für nachfolgende Generationen erhalten. Bei Bauprojekten des Landes berücksichtigen wir deshalb ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen. Um Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit bestmöglich sicherzustellen, ist eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäude notwendig.

Zum Vermögen des Landes Baden-Württemberg gehören rund 8.000 Gebäude mit etwa 12 Millionen Quadratmetern Gebäudefläche. Die Bauwerke stammen aus unterschiedlichen Baujahren, ein Teil davon ist denkmalgeschützt. In den Gebäuden sind viele unterschiedliche Landeseinrichtungen wie Finanzämter, Justizvollzugsanstalten, Ministerien, Universitäten, Hochschulen, die Polizei und weitere Behörden untergebracht. Jedes Jahr kommen durch den steigenden Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer Neubauten dazu. Das Bauvolumen für Sanierung und Erhalt, Neubau und Unterhalt landeseigener Gebäude lag im Jahr 2018 bei rund 846 Millionen Euro.

Angesichts dieses Volumens hat der Landesbau eine Vorbildrolle. Die Landesregierung geht deshalb bei der Errichtung, Sanierung und dem Betrieb der Landesimmobilien besonders nachhaltig vor. Die Betreuung der landeseigenen Immobilien erfolgt durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg über den ganzen Lebenszyklus hinweg, beginnend beim Bau bis hin zum Immobilien- und Gebäudemanagement. Die Nachhaltigkeit der Neubauten und des Gebäudebestandes des Landes wird mit umfassenden Maßnahmen gestärkt. Dazu gehört insbesondere der Einsatz nachwachsender Rohstoffe (zum Beispiel Holz), die Anwendung des Bewertungssystems nachhaltiges Bauen (BNB), der Einsatz von Recyclingbaustoffen sowie das Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften.

Bewertungssystem nachhaltiges Bauen (BNB) im Landesbau

Erste Leitlinien und Projekte wurden bereits im Jahr 2009 im Rahmen des Projekts "Stärkung der Nachhaltigkeit im Staatlichen Hochbau" eingeführt, sie werden seitdem stetig fortentwickelt. 2015 wurde der Leitfaden Nachhaltiges Bauen und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundesbauministeriums für den Landesbau übernommen. Damit wurden die Voraussetzungen für zukunftsfähiges und besonders nachhaltiges Bauen und Sanieren geschaffen. Der Erfüllungsgrad der Nachhaltigkeitskriterien für Gebäude wird mit Zertifikaten in Gold, Silber und Bronze nach außen sichtbar gemacht. Nach der Einführung des Bewertungssystems im Landesbau startete die Umsetzung stufenweise mit dem Ziel, in Zukunft die Anwendung des BNB auf möglichst viele Baumaßnahmen auszuweiten. Das in diesem Zusammenhang geschaffene Kompetenzzentrum Nachhaltiges Bauen der Betriebsleitung des Landesbetriebs Vermögen und Bau steuert und koordiniert zentral alle Aktivitäten rund um die Anwendung des BNB. Über ein umfangreiches Fortbildungsprogramm wird sowohl das Personal der Ämter als auch der Betriebsleitung des Landesbetriebs intensiv geschult.

Seit Einführung des Bewertungssystems wurden eine ganze Reihe von Neubauprojekten mit dem Ziel einer BNB-Zertifizierung gestartet. Dazu gehören beispielsweise der Neubau des Campus Neue Weststadt für die Hochschule Esslingen, der Ersatzneubau für die Bienenkunde bei der Universität Hohenheim in Stuttgart, der Ersatzneubau Oberer Eselsberg der Fakultät Technik für die Hochschule Ulm, der Neubau des Waldcampus der Hochschule Aalen sowie der Neubau des Besucherzentrums und der Verwaltung für den Nationalpark Schwarzwald.

Die Anwendung des Bewertungssystems bei allen neuen Unterrichts- und Verwaltungsgebäuden mit Gesamtbaukosten über 2 Millionen Euro ist seit Juni 2017 verpflichtend. Bei allen weiteren Baumaßnahmen wird der Leitfaden Nachhaltiges Bauen in seiner aktuellen Version bei der Planung und Baudurchführung grundsätzlich berücksichtigt.

Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften

Das Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften vom Dezember 2012 ist wesentliche Grundlage zum Erreichen des wichtigen Zieles einer weitgehend klimaneutralen Landesverwaltung. Das im Konzept verankerte Ziel, die CO₂-Emissionen in landeseigenen Liegenschaften bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu reduzieren, konnte durch umfangreiche Maßnahmen erreicht werden. Das Konzept wurde für die Jahre 2020 bis 2050 fortgeschrieben (das Konzept finden Sie hier). Im fortgeschriebenen Konzept ist die Reduzierung der CO₂-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 1990 bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 80 Prozent verankert. Um diese Schritte zu erreichen, wurden konkrete Handlungsfelder und umfassende Vorhaben definiert. Dazu gehören insbesondere energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden, Neubauten in Passivhausqualität, der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, Contracting-Maßnahmen und die Sicherstellung eines bestmöglichen Energiemanagements zur Optimierung des Gebäudebetriebs.

Verwendung von Recycling-Baustoffen

Nachhaltig zu bauen, bedeutet, sparsam und effizient mit Rohstoffen umzugehen und Ressourcen zu schonen. Das Land nimmt seine Vorbildfunktion in diesem Bereich ernst und fördert ressourcenschonende und ökologische Baustoffe bei seinen Bauvorhaben. Der Einsatz sogenannter Primärrohstoffe wird deshalb reduziert. Künftig wird die Verwendung von Recycling-Baustoffen – insbesondere Beton mit rezyklierten Zuschlägen (sogenannter RC-Beton) – bei Baumaßnahmen des Landes noch weiter verstärkt. Die Ausschreibungsverfahren wurden so angepasst, dass in geeigneten Fällen Recycling-Baustoffe verwendet werden können. Zusätzlich werden künftige Bauprojekte identifiziert, bei denen der Einsatz von RC-Beton ausdrücklich vorgeschrieben wird.

Bilderstrecke: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB): Zuordnung der Erfüllungsgrade zu Gebäudenote und Zertifikat.
Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Die Grafik zeit die Zuordnung der Erfüllungsgrade zu Gebäudenote und Zertifikat im Rahmen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Schwäbisch Gmünd

Mit dem Standort Waldcampus erhält die Hochschule Aalen Neubauten für die Fakultät Wirtschaftswissenschaften sowie eine Mensa und ein Wohn- und Kita-Gebäude. Der Gebäudekomplex wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen zertifiziert. Die grüne „Klammer“ mit dem Baumbestand im Westen und Süden bleibt erhalten.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Broghammer Jana Wohlleber - Freie Architekten BDA

Bereits im Wettbewerb wurde für den Neubau der Hochschule Aalen der Einsatz des Werkstoffes Holz gefordert. Diese weitere Nachhaltigkeitsthematik wird bei Innenbauteilen sowie an den Fassadenkonstruktionen umgesetzt.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Broghammer Jana Wohlleber - Freie Architekten BDA

Der Entwurf des Neubaus für die Hochschule Aalen besticht durch einen sehr geringen Wärme- und Kältebedarf. Die klare und zurückhaltende Dimensionierung der Außenräume erlauben den Erhalt von großen Teilen der Waldfläche und unterstützen den Charakter des Waldcampus.

Bilderstrecke: Hochschule Ulm: Ersatzneubau Oberer Eselsberg

Modellfoto der Hochschule Ulm
Quelle: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ulm

Der Ersatzneubau der Hochschule Ulm am oberen Eselsberg ist als hocheffizientes Gebäude ausgelegt. Das Gebäude soll als Effizienzhaus Plus errichtet werden und wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen zertifiziert.

Bilderstrecke: Hochschule Ulm: Ersatzneubau Oberer Eselsberg

Visualisierung des Ersatzneubaus an der Hochschule Ulm
Quelle: Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

Der Ersatzneubau für die Hochschule Ulm wird darüber hinaus vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit Mitteln aus der Forschungsinitiative "Zukunft Bau" gefördert. Es ist derzeit das größte und mit Abstand das anspruchsvollste Projekt im Förderprogramm Effizienzhaus Plus – Bildungsbau.

Bilderstrecke: Beton mit rezyklierten Zuschlägen (RC Beton)

Nahansicht von RC-Beton
Quelle: Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg

In Zukunft sollen im Landesbau noch stärker als bisher Recycling-Baustoffe – insbesondere Beton mit rezyklierten Zuschlägen (sogenannter RC-Beton) – zum Einsatz kommen.