Vermögen und Hochbau

Nachhaltig Bauen

Das Schulungszentrum des Höchstleistungsrechenzentrums an der Uni Stuttgart / Bild: ralph klohs photographie

Nachhaltigkeit ist eines der maßgeblichen politischen und gesellschaftlichen Leitbilder der Landesregierung. Eine gesunde Umwelt und gute Lebensbedingungen wollen wir für nachfolgende Generationen erhalten. Bei Bauprojekten des Landes berücksichtigen wir deshalb ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen. Um Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit bestmöglich sicherzustellen, ist eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäude notwendig.

Zum Vermögen des Landes Baden-Württemberg gehören rund 8.000 Gebäude mit etwa 12 Millionen Quadratmetern Gebäudefläche. Die Bauwerke stammen aus unterschiedlichen Baujahren, ein Teil davon ist denkmalgeschützt. In den Gebäuden sind viele unterschiedliche Landeseinrichtungen wie Finanzämter, Justizvollzugsanstalten, Ministerien, Universitäten, Hochschulen, Polizei und weitere Behörden untergebracht.

Das Land geht bei der Errichtung, Sanierung und dem Betrieb der Landesimmobilien nachhaltig vor, insbesondere vor dem Hintergrund seiner Vorbildrolle. Die landeseigenen Immobilien werden vom Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg über den ganzen Lebenszyklus hinweg betreut. Die Nachhaltigkeit der Neubauten und des Gebäudebestandes des Landes wird mit umfassenden Maßnahmen gestärkt. Dazu gehören insbesondere der Einsatz nachwachsender Rohstoffe (zum Beispiel Holz), der Einsatz von Recyclingbaustoffen, die Anwendung des Bewertungssystems nachhaltiges Bauen (BNB) sowie das Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften.

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) im Landesbau

Baumaßnahmen des Landes werden nach den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens durchgeführt. Erste Leitlinien mit dieser Zielrichtung wurden bereits im Jahr 2009 im Rahmen des Projekts "Stärkung der Nachhaltigkeit im Staatlichen Hochbau" entwickelt. Im Jahr 2015 wurde entschieden, den Leitfaden Nachhaltiges Bauen und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundesbauministeriums im Landesbau anzuwenden. Damit wurden die Voraussetzungen für zukunftsfähiges, nachhaltiges Bauen und Sanieren geschaffen. Der Erfüllungsgrad der Nachhaltigkeitskriterien für Gebäude wird beim BNB mit Zertifikaten in Gold, Silber und Bronze nach Außen sichtbar gemacht. Das Kompetenzzentrum Nachhaltiges Bauen der Betriebsleitung des Landesbetriebs Vermögen und Bau steuert und koordiniert zentral alle Aktivitäten rund um die Anwendung des BNB.

Im Landesbau werden derzeit zahlreiche Projekte mit dem Ziel einer BNB-Zertifizierung durchgeführt. Dazu gehören beispielsweise der Neubau des Campus Neue Weststadt der Hochschule Esslingen, der Ersatzneubau für die Bienenkunde der Universität Stuttgart-Hohenheim, der Ersatzneubau Oberer Eselsberg der Fakultät Technik der Hochschule Ulm, der Neubau der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg in Karlsruhe sowie der Neubau des Besucherzentrums und der Verwaltung für den Nationalpark Schwarzwald.

Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften

Bereits im Jahr 2012 wurde für landeseigene Liegenschaften ein Energie- und Klimaschutzkonzept als wesentliche Grundlage zur Senkung der CO₂-Emissionen entwickelt. Das im Konzept verankerte Ziel, die CO₂-Emissionen in landeseigenen Liegenschaften bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu reduzieren, konnte durch umfangreiche Maßnahmen erreicht werden. Das Konzept wurde für die Jahre 2020 bis 2050 fortgeschrieben. In der Fortschreibung wurden die CO₂- Ziele weiter verschärft sowie konkrete Handlungsfelder und umfassende Vorhaben definiert die dazu beitragen, den CO2-Ausstoss deutlich zu verringern. So konnte beispielsweise erreicht werden, dass aktuell rund 120.000m2 Photovoltaikfläche (PV-Fläche) auf Landesliegenschaften installiert wurde. Damit nehmen die Landesliegenschaften im bundesweiten Vergleich eine Spitzenposition ein.

Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 6. Oktober 2021 ein neues Klimaschutzgesetz verabschiedet. Demnach soll im Rahmen der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand bis 2030 die Netto-Treibhausgasneutralität der Landesverwaltung erreicht werden (bisheriges Ziel: weitgehende Klimaneutralität der Landesverwaltung bis 2040). Im Zusammenhang mit dem neuen Klimaschutzgesetz wurde einem Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen zur Neufassung des derzeitigen Energie- und Klimaschutzkonzepts für landeseigene Liegenschaften 2020 bis 2050 zugestimmt. Im Entschließungsantrag sind Vorgaben für Landesliegenschaften enthalten, mit denen den verschärften Klimaschutzzielen für die Landesverwaltung Rechnung getragen werden soll. Der durch landeseigene Gebäude verursachte CO2-Ausstoß muss drastisch reduziert werden.

Vor dem Hintergrund des neuen Klimaneutralitätszieles 2030 für die Landesverwaltung muss das Energie- und Klimaschutzkonzept nachjustiert werden. Maßnahmen in den Handlungsfeldern werden nachgeschärft und neue Handlungsfelder aufgenommen. Vorgesehen im Rahmen der Fortschreibung des Energie- und Klimaschutzkonzepts für landeseigene Liegenschaften sind Schwerpunkte wie bestmögliche Energiestandards, der Grundsatz Sanierung vor Neubau, Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung, deutliche Steigerung des jährlichen PV-Ausbaus sowie die weitere Optimierung des Energiemanagements.

Der Entwurf des fortgeschriebenen Energie- und Klimaschutzkonzepts für landeseigene Liegenschaften wird mit Nachdruck angegangen.

Verwendung von Recycling-Baustoffen

Nachhaltig zu bauen bedeutet, sparsam und effizient mit Rohstoffen umzugehen und Ressourcen zu schonen. Das Land nimmt seine Vorbildfunktion auch in diesem Bereich wahr und führt seine Baumaßnahmen nach den Grundsätzen einer möglichst weitgehenden Schonung natürlicher Ressourcen durch.

Der Einsatz von Holz als Baustoff wird bei Baumaßnahmen geprüft, um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe weiter zu stärken und eine langfristige CO2-Speicherung zu erreichen. Die Herkunft des Holzes aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung muss dabei nachgewiesen werden.

Auch der Einsatz von Recycling-Beton wird bei Baumaßnahmen des Landes ausgebaut. Hierzu wurden bei Landesausschreibungen die grundsätzlichen Möglichkeiten geschaffen, um das Anbieten von Recycling-Beton zu erleichtern. Zusätzlich werden abhängig von Entwicklungen des Baumarkts in diesem Bereich Projekte durchgeführt, bei denen gezielt der Einsatz von Recycling-Beton gefordert wird.

Bilderstrecke: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB): Zuordnung der Erfüllungsgrade zu Gebäudenote und Zertifikat.
Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Die Grafik zeit die Zuordnung der Erfüllungsgrade zu Gebäudenote und Zertifikat im Rahmen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Schwäbisch Gmünd

Mit dem Standort Waldcampus erhält die Hochschule Aalen Neubauten für die Fakultät Wirtschaftswissenschaften sowie eine Mensa und ein Wohn- und Kita-Gebäude. Der Gebäudekomplex wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen zertifiziert. Die grüne „Klammer“ mit dem Baumbestand im Westen und Süden bleibt erhalten.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Broghammer Jana Wohlleber - Freie Architekten BDA

Bereits im Wettbewerb wurde für den Neubau der Hochschule Aalen der Einsatz des Werkstoffes Holz gefordert. Diese weitere Nachhaltigkeitsthematik wird bei Innenbauteilen sowie an den Fassadenkonstruktionen umgesetzt.

Bilderstrecke: Hochschule Aalen: Modellprojekt Waldcampus

Visualisierung des Waldcampus an der Hochschule Aalen
Quelle: Broghammer Jana Wohlleber - Freie Architekten BDA

Der Entwurf des Neubaus für die Hochschule Aalen besticht durch einen sehr geringen Wärme- und Kältebedarf. Die klare und zurückhaltende Dimensionierung der Außenräume erlauben den Erhalt von großen Teilen der Waldfläche und unterstützen den Charakter des Waldcampus.

Bilderstrecke: Hochschule Ulm: Ersatzneubau Oberer Eselsberg

Modellfoto der Hochschule Ulm
Quelle: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ulm

Der Ersatzneubau der Hochschule Ulm am oberen Eselsberg ist als hocheffizientes Gebäude ausgelegt. Das Gebäude soll als Effizienzhaus Plus errichtet werden und wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen zertifiziert.

Bilderstrecke: Hochschule Ulm: Ersatzneubau Oberer Eselsberg

Visualisierung des Ersatzneubaus an der Hochschule Ulm
Quelle: Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

Der Ersatzneubau für die Hochschule Ulm wird darüber hinaus vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit Mitteln aus der Forschungsinitiative "Zukunft Bau" gefördert. Es ist derzeit das größte und mit Abstand das anspruchsvollste Projekt im Förderprogramm Effizienzhaus Plus – Bildungsbau.

Bilderstrecke: Beton mit rezyklierten Zuschlägen (RC Beton)

Nahansicht von RC-Beton
Quelle: Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg

In Zukunft sollen im Landesbau noch stärker als bisher Recycling-Baustoffe – insbesondere Beton mit rezyklierten Zuschlägen (sogenannter RC-Beton) – zum Einsatz kommen.