Fachkräfte

Bilanz nach vier Jahren Allianz für Fachkräfte

Eine Doktorandin aus Venezuela arbeitet im Labor. (Bild: © dpa)

Vier Jahre nach Gründung der Allianz für Fachkräfte haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid Bilanz gezogen. Demnach ist es vor allem gelungen, die Beschäftigung von Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg weiter zu steigern. Zudem hat sich die Allianz mit dem Thema Beschäftigung von Flüchtlingen einen weiteren Schwerpunkt gesetzt.

„Die gemeinsame Arbeit aller verantwortlicher Akteure in der Allianz für Fachkräfte zeigt Wirkung“, sagten Kretschmann und Schmid. „Wir haben erreicht, dass die vorhandenen Potenziale besser ausgeschöpft werden. Das ist entscheidend dafür, dass unser Standort so stark bleibt wie er ist.“

Auf Initiative von Minister Schmid war die Allianz für Fachkräfte am 15. Dezember 2011 ins Leben gerufen worden. Insgesamt 35 Partner arbeiten in der Allianz zusammen. Dazu gehören Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaftsorganisationen, der Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit, der kommunalen Spitzenverbände, der regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften, des Landesfrauenrates und von Ministerien.

Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass der Bedarf an Fachkräften in Baden-Württemberg mit seiner starken Wirtschaft schon jetzt groß sei: „Nach den Prognosen wird sich der demografische Wandel ab dem Jahr 2020 auf dem Arbeitsmarkt deutlich bemerkbar machen, weil dann die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Aber unsere Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Leute angewiesen. Deshalb war und bleibt es so wichtig, dass wir rechtzeitig gegensteuern. Angesichts der aktuellen Situation nehmen wir dabei auch verstärkt die Flüchtlinge mit in den Blick.“ Nach einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit ist der Bedarf an Mechatronikern, Energietechnikern, Sanitär- und Heizungstechnikern, Elektroingenieuren, Ingenieuren der Kunststofftechnik und Informatikern in Baden-Württemberg schon jetzt größer als die Zahl der Bewerber, die zur Verfügung stehen. Besonders groß ist der Mangel an Fachkräften in der Altenpflege.

In welchem Umfang der Zuzug der Flüchtlinge dazu beitragen kann, den Fachkräftebedarf zu decken, ist nach Ansicht von Minister Schmid noch nicht abschließend zu beantworten. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Partner der Fachkräfteallianz Ende November das Ziel gesetzt, dass private wie öffentliche Arbeitgeber das Beschäftigungspotenzial von Flüchtlingen möglichst weitgehend ausschöpfen können. Unterstützt werden sollen interessierte Arbeitgeber etwa durch Beratung, Informationsveranstaltungen und Best-Practice-Beispiele. Im Fokus stehen dabei anerkannte Flüchtlinge, bei denen überwiegend Rechts- und Planungssicherheit besteht.

„Bis die Menschen, die gerade erst bei uns ankommen, in den Arbeitsmarkt integriert werden können, wird erfahrungsgemäß noch etwas Zeit vergehen“, sagte der Minister. „Vielen Flüchtlingen mangelt es an Sprachkenntnissen, deshalb brauchen wir ein ausreichendes Angebot an Deutschkursen. Außerdem haben nach unseren bisherigen Erfahrungen nur die wenigsten einen formalen Berufsabschluss“, so Schmid. Er wies auf das Landesprogramm „Chancen gestalten – Wege der Integration in den Arbeitsmarkt öffnen“ hin, das an diesen Punkten anknüpfe. „Die meisten Flüchtlinge sind besonders motiviert und oftmals im besten Ausbildungsalter“, stellte er fest. Deshalb setze auch das Ausbildungsbündnis im Land Maßnahmen zur Integration junger Flüchtlinge in Ausbildung um.

Die Entwicklung bei der Beschäftigung von Flüchtlingen wird die Allianz für Fachkräfte in einem Lenkungskreis begleiten und in einem Jahr erheben. Inwiefern die weiteren Ziele der Allianz erreicht werden, überprüft das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schon jetzt regelmäßig. Aus der aktuellen Untersuchung geht hervor, dass die Beschäftigungsquote von Frauen in den vergangenen Jahren von 51,1 Prozent (2010) auf 56,7 Prozent (2014) gestiegen ist. Der Finanz- und Wirtschaftsminister führt den Anstieg unter anderem auf den Ausbau der Kleinkind- und der Ganztagsbetreuung im Land zurück. „Wir müssen junge Eltern rausholen aus dem Kind-Karriere-Dilemma“, stellte er fest. „Nur wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Kinder in guten Händen sind, werden sie sich für eine Rückkehr in den Beruf entscheiden. Der Pakt für Familien, mit dem wir mit den kommunalen Landesverbänden den Ausbau der Betreuung vorangetrieben haben, ist deshalb auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung.“

Eine positive Entwicklung zeigt sich zudem bei der Beschäftigungsquote älterer Personen zwischen 55 und 64 Jahren. Sie hat sich von 42 Prozent (2010) auf 48,5 Prozent (2014) erhöht. Bei den in Baden-Württemberg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ist die Erwerbslosenquote zwischen 2010 und 2014 von 8,2 auf 4,9 Prozent gesunken.

Die Zahl der Beschäftigten mit einem Ingenieursabschluss ist im Land spürbar angestiegen. Waren es 2010 noch 138.700, lag die Zahl 2014 bei 157.400. Die Zahl der beschäftigten Frauen mit Ingenieursabschluss hat demzufolge ebenfalls zugenommen: von 14.700 im Jahr 2010 auf 22.200 im vergangenen Jahr.

Darüber hinaus ist die Beschäftigung von Ausländern seit 2010 um durchschnittlich rund 30.000 Personen pro Jahr gestiegen, 2014 waren es sogar 44.500 Personen. „Unser Standort ist attraktiv für Fachkräfte aus dem Ausland, etwa aus Katalonien“, so der Minister. Erst vor kurzem sei ein gemeinsamer Bewerberpool der spanischen Region und Baden-Württembergs eingerichtet worden.

Trotz positiver Trends bleiben nach Ansicht Schmids noch einige Herausforderungen bestehen. „Es gibt noch Potenziale, die wir heben müssen“, so der Minister. „Dazu gehört, dass wir das Niveau der Vollzeitbeschäftigung erhöhen und die Langzeitarbeitslosigkeit abbauen.“

Maßnahmen im Rahmen der Allianz für Fachkräfte

Mit dem Ziel, den Fachkräftebedarf zu sichern, wurden seit dem Start der Allianz für Fachkräfte unter anderem folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Nachqualifizierung von An- und Ungelernten, gefördert durch die baden-württembergischen Arbeitgeberverbände
  • Demografieberatung von kleinen Handwerksbetrieben, gefördert durch die Handwerkskammern und das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft
  • Förderung der Anpassungsqualifizierung von Beschäftigten durch das Finanz- und Wirtschaftsministerium
  • Elf Welcome Center landesweit
  • Förderung und flächendeckende Einrichtung regionaler Fachkräfteallianzen nach dem Muster der landesweiten Allianz
  • Landesprogramm „Gute und sichere Arbeit“ des Sozialministeriums zur Arbeitsmarktintegration langzeitarbeitsloser Menschen
  • Informationskampagne „Vom Fach – für Menschen“ mit dem Schwerpunkt Pflegeberufe des Sozialministeriums
  • Modellprojekt zur Gewinnung von Altenpflegefachkräften aus dem Ausland, gefördert durch das Finanz- und Wirtschaftsministerium