Unternehmensnachfolge

Internationales Fachforum "Finanzierung von Unternehmensnachfolgen"

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"Die Sicherung der Unternehmensnachfolge ist ein zentrales Element der Mittelstandsförderung in Baden-Württemberg. Dabei ist die Finanzierung häufig das größte Problem der Nachfolger", erklärte Richard Drautz, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, heute in Stuttgart anlässlich des internationalen Fachforums "Finanzierung von Unternehmensnachfolgen". Deshalb hätten das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg mit seiner Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge ifex und die L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg, dieses Thema aufgegriffen. Das Interesse an dem Forum war so groß, dass nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten und eine Wiederholung der Veranstaltung am 25. Oktober geplant ist.

Das Fachforum ist Teil des EU-Projekts "Next Business Generation", an dem neben Baden-Württemberg die Lombardei, Niederösterreich, Thessalien, West Midlands sowie der Kanton Zürich beteiligt sind. Das Projekt wird vom Wirtschaftsministerium koordiniert und im Rahmen des Programms INTERREG III C gefördert. Bei der Veranstaltung "Finanzierung von Unternehmensnachfolgen", eine von verschiedenen Konferenzen in den beteiligten Regionen, wurden verschiedene Aspekte der Nachfolgefinanzierung beleuchtet sowie praktische Finanzierungsbeispiele und Dienstleistungsansätze vorgestellt.

"In Baden-Württemberg, aber auch europaweit sollen in den nächsten fünf Jahren bis zu 15 Prozent der bestehenden Unternehmen an einen Nachfolger übergeben werden", so Richard Drautz. Betroffen seien jährlich 610 000 Unternehmen mit 2,4 Millionen Beschäftigten in ganz Europa, allein in Baden-Württemberg gehe es um rund 140.000 Arbeitsplätze jährlich. Dabei muss der Nachfolger immer häufiger extern gefunden werden.

Dr. Manfred Schmitz-Kaiser, Mitglied des Vorstands der L-Bank unterstrich: "Externe Nachfolgen gestalten sich fast in allen Belangen schwieriger als familieninterne". Er führte weiter aus, dass eine im Auftrag der L-Bank erstellte Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim ergab, dass in den Jahren 1997 bis 2002 noch rund drei Viertel der Nachfolger aus der Familie kamen, aktuell sind es nur noch knapp 50 Prozent. Bei jeder zweiten externen und jeder vierten familieninternen Nachfolge ist, so die Ergebnisse der Studie, die Finanzierung ein Problem. Während familienintern jede zweite Betriebsübergabe unentgeltlich erfolgt, benötigen 90 Prozent der externen Übernehmer Fremdkapital. Zudem ergibt sich häufig erst nach der Übergabe, dass ungeplant noch Kapital benötigt wird. Welche Konsequenzen dies in der Praxis mit sich bringt, brachte Dr. Manfred Schmitz-Kaiser auf den Punkt: "Die Finanzierung von Übernahmen ist ohnehin nicht einfach. Kommen dann noch Nachfinanzierungswünsche hinzu, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Bank und Übernehmer schnell getrübt".

Staatssekretär Richard Drautz wies auf das 12-Punkte-Programm zur Unternehmensnachfolge hin, mit dem das Land in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsorganisationen und Fördereinrichtungen umfangreiche Hilfestellung gibt. Jährlich werden für Qualifizierungs- und Beratungsangebote für Übergeber und Übernehmer sowie verbesserte Bedingungen bei der Darlehensaufnahme, Bürgschaftsübernahme und Beteiligungen rund zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zum Programm gehört der bundesweit erste Masterstudiengang für Unternehmensnachfolger, der im Jahr 2003 startete und inzwischen von 18 Studierenden abgeschlossen wurde.

Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg zudem die Übergabe-Beratung eingeführt. Dabei wird ein Übergabe-Fahrplan erstellt. Für die Beratung können Übergeber einen Zuschuss in Höhe von bis zu 2100 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds erhalten. Seit Anfang 2003 wurden mehr als 240 Unternehmen beraten, allein davon sind mehr als 4500 Arbeitsplätze betroffen. Ein weiterer Bestandteil des 12-Punkte-Programms sind die Nachfolge-Moderatoren, die bei vier Industrie- und Handelskammern eingesetzt werden. Sie werden vom Land bis Ende 2007 mit einer Million Euro aus Mitteln des Landes und des ESF gefördert.

Zudem umfasst das 12-Punkte-Programm Finanzierungshilfen durch die Programme der L-Bank, der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg und der Mittel-ständischen Beteiligungsgesellschaft. Dr. Manfred Schmitz-Kaiser betonte, dass die Förderinstitute genau dort ansetzen müssen, wo an sich schlüssige Finanzierungskonzepte zu scheitern drohen. "Durch zinsgünstige Förderkredite, Bürgschaften sowie Beteiligungskapital lassen sich die Rahmenbedingungen so verändern, dass auch schwierige Finanzierungskonstellationen im Zusammenspiel zwischen Hausbank und Förderinstituten gemeistert werden können".

"Das 12-Punkte-Programm hat sich als Markenzeichen in Baden-Württemberg und darüber hinaus etabliert", so Richard Drautz. Der Staatssekretär versicherte, dass er sich dafür einsetzen werde, dass auch in Zeiten leerer Haushaltskassen die Unterstützung von Unternehmensnachfolgen auf hohem Niveau fortgeführt werden kann. "Wir werden bei der Planung der Förderperiode 2007 bis 2013 des ESF einen Schwerpunkt auf die Sicherung der Unternehmensnachfolge legen", so Richard Drautz.

Quelle:

Wirtschaftsministerium

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